Gyoza / Jiaozi – chinesische Neujahrsravioli

– oder wie chinesische Neujahrsravioli aka Jiaozi / Gyoza und eine gute Playlist deinen Kumpel vergessen lassen, dass seine Holde ihn abserviert hat

So abrupt wie es dieses Jahr mit dem schönen Wetter hier in FFM vorbei war, nahm auch die sommerliche Romanze meines Kumpels Mi mit seiner Miss Nice ein Ende.

Abserviert, niedergeschlagen und mit mittelschwerem Liebeskummer (naja, eigentlich einem angekratztem Ego aber das konnte ich ihm auf leeren Magen noch nicht sagen) stand er nun also in meiner Küche, wollte n i c h t s essen und lehnte kopfschüttelnd alle meine Essensangebote ab. Alles was er wollte war (viel!) Wodka aus Wassergläsern, Chipsletten u. englisches Weingummi. Nur ein Garant für Kopf- und Magenschmerzen am nächsten Tag, musste eine Lösung her! Außerdem ist der sonst so selbstbewusste und strahlende Mi mit selbstmitleidigem Dackelblick kaum zu ertragen.

Jedes Jahr feierten wir bei uns zu Hause das chinesische Neujahrsfest und wenn Mi dabei war, konnte er nie genug von den chinesischen Ravioli, den „Jiaozi“ meiner Mutter bekommen. Immer überfraß er sich daran und rülpste nachher mit vollem Bauch glücklich auf unserem Sofa.

Jiaozi werden mit so viel Liebe und Einsatz zubereitet, sie sind chinesisches Soulfood par excellence! Und da Liebe ja bekanntlich durch den Magen geht, mussten diese Ravioli also auch gegen Mis Kummer wirken.

Ich goss ihm proforma einen klitzekleinen Wodka ein und sagte dann ganz nonchalant: „Ich könnte dir auch die chinesischen Neujahrsravioli machen, die du bei meiner Ma immer so gerne hattest.“ Ohne auch nur am Wodka zu nippen oder das Wort Chipsletten nochmal in den Mund zu nehmen, waren wir schon mit Jutebeuteln bewaffnet auf dem Weg zum Einkauf.

Zurück in meiner Küche, mit der 90er Jahre Partyplaylist unserer Jugend im Hintergrund spielend, hatten wir nicht nur beide Hände voll mit Teig und Füllung zu tun, Mi lachte immer mal wieder.

Und als die „Jiaozi“ dampfend vor ihm auf dem Tisch standen und er den ersten Bissen zu sich genommen hatte, war sein Dackelblick verschwunden. Stunden später – Dr. Alban pfeifend- und mit einigen Gefrierbeuteln an Raviolivorrat für zu Hause, verschwand er mit guter Laune und der Kummer über Miss Nice war erstmal Schnee von gestern.

Jiaozi / Gyoza Teig ausstechen; Jiaozi / Gyoza dough prep.; porcionando la masa para los Jiaozi / Gyoza

Jiaozi / Gyoza formen; Filling the Jiaozi / Gyoza ; rellenando los Jiaozi / Gyoza

Zusammenfassung
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Rezept
Gyoza / Jiaozi - chinesische Neujahrsravioli
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veröffentlicht am
Gesamtzeit

Rezept Jiaozi/Gyoza

Vorbereitungszeit: 2 Stunden
Kochzeit: 6 Minuten
Schwierigkeitsgrad: Fortgeschrittene

Zutaten

  • 200g Weizenmehl, Typ 405 (für den Teig)
  • 120ml kaltes Wasser (für den Teig)
  • 1 große Prise Salz (für den Teig)
  • 250g gemischtes Hack
  • 6 mittelgroße Shitake Pilze, feingehackt
  • 1 ca. 2 – 2,5 cm großes Stück frischer Ingwer, gerieben
  • ½ Bund chinesischer „Knoblauchschnittlauch“ (siehe Foto) oder 1 Bund Schnittlauch und 1 große Knoblauchzehe
  • 2 große Blätter Chinakohl, mit 1 EL Salz entwässert und feingehackt
  • 1 EL chinesischer Chinkiang Essig (alternativ Balsamico)
  • 1 EL trockener Sherry
  • 1 EL dunkle Sojasoße
  • ½ EL Sesamöl (das geröstete, nicht das native)
  • Frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
  • 1 große Prise Salz
  • 1 Ei
  • 6 EL helle Sojasoße (für die Soße)
  • 6 EL Chinkiang Essig (für die Soße)
  • 1 Teelöffel mittelscharfer Senf (für die Soße)

Zubereitung:

  1. Vorbereitung für Füllung: Zwei Stunden vorher: die Chinakohlblätter sehr fein hacken, in ein Sieb geben, dies in eine Schüssel stellen und mit 1 gehäuftem EL Salz überstreuen. Der Kohl gibt nun sein Wasser ab. Nach ca. 2h den Kohl gut ausdrücken, so dass auch die restliche Flüssigkeit austritt.
  2. Teig: Mehl in eine große Schüssel sieben. Eine Prise Salz dazu geben. Langsam das kalte Wasser portionsweise mit einem Holzlöffel in das Mehl rühren. Wenn die gesamte Wassermenge verrührt ist, dann mit den Händen beginnen die Masse mit Kraft zu verkneten. Mindestens fünf Minuten. Bis ein glatter Teigkloß ensteht. Diesen dann in Frischhaltefolie einwickeln und ca. 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen.
  3. Füllung: Während der Teig ruht, die Füllung herstellen. Alle Zutaten für die Füllung vermischen und gut durchkneten. Um zu probieren, ob die Füllung genug Würze hat, kann man eine kleine Frikadelle formen und sie braten. Die Füllung sollte ganz leicht überwürzt schmecken. Zur Not noch etwas Salz und Soja hinzufügen.
  4. Die Ravioli formen: Die Arbeitsfläche mit Mehl bestäuben und vom Teig immer wieder kleine Portionen abnehmen und diese mit einem Nudelholz oder etwas ähnlichem dünn ausrollen (siehe Fotos) u. dann mit beispielsweise einem kleinen Glas, kleine Kreise ausstechen (siehe Fotos). Am Besten rollt er sich kalt aus. Sollte er kleben, immer wieder mit etwas Mehl bestäuben. Auf die ausgestochenen Kreise eine kleine Menge Füllung in die Mitte geben und die Seiten des Teigkreises mit dem Zeigefinger mit etwas Wasser bestreichen, damit der Teig besser zuklebt. Dann die Ravioli formen. (Siehe Foto.)
  5. Die Soße zum Dippen: Die Zutaten vermischen und versuchen den Senf so gut wie möglich darin aufzulösen.
  6. Der Kochprozess: Jiaozi /Gyoza sechs Minuten in sprudelndem Wasser kochen und dann mit einer Schaumkelle entnehmen. Während des Kochprozesses dreimal mit einem Schuss kaltem Wasser die Temperatur kurz runterbringen. Das erste Mal nachdem die Jiaozi/Gyoza oben schwimmen.
  7. Die Jiaozi/Gyoza noch dampfend servieren. Guten Appo!
P.S. (Ungekocht kann man die Ravioli wahnsinnig gut in einer Tupperschale einfrieren und bei Bedarf einfach so gefroren wie sie sind ins kochende Wasser werfen und nach obiger Anleitung kochen. Sie brauchen gefroren aber etwas länger. Ich lege die Tupperschale vorher mit Backpapier aus, dann kann man sie gefroren viel einfacher entnehmen.)

4 Comments

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    Martin 31. Januar 2016 (22:02)

    Welche Sojasaucen kaufst du so? Bzw worauf legst du wert?
    Und warum entzieht man dem Kohl das Wasser?
    Sorry Fragen über Fragen 😉

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      Li 1. Februar 2016 (10:52)

      Ni hao Martin!
      Ich kaufe die Sojasoßen am Liebsten im Asiashop. Preis-Leistung stimmt(eine große Flasche kostet dort nur soviel wie eine kleine im Supermarkt) und geschmacklich sind die am authentischsten. Meine Lieblingssojasoßen sind die von Pearl River Bridge oder Baiyin Bridge aus China, das sind auch die, die meine Oma immer benutzt hat. Aber die japanischen von Kikkoman sind auch geschmacklich sehr gut. Achtung, es gibt auch ganz süße, klebrige Sojasoßen. Von denen lasse ich eher die Finger. Wenn du nicht oft Sojasoße benutzt, dann kauf dir am Besten einfach eine dunkle Sojasoße für die Vorratskammer. Zum Chinakohl, dem muss das Wasser entzogen werden, damit die Füllung für die Gyoza/Jiaozi die richtige Konsistenz hat. Sonst werden die Gyoza / Jiaozi nachher ein Riesengesabsche, vor allem mit dem Teig. Liebe Grüße und viel Erfolg bei der Zubereitung!

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    Selen 5. März 2016 (13:16)

    Tolle Seite meine Liebe!
    Hatte heute mal wieder Lust auf Gyoza und dachte, schau´doch mal wie Li diese macht.
    Werde Dein Rezept direkt mal ausprobieren.
    Eine andere Variante als Soße zu Gyoza, die ich bei Takahama san im ehemaligen Restaurant Midori kennengelernt habe:
    Sojasauce hell als Basis, etwas Terijaki Sauce, ein. zwei Tröpfchen Sesamöl, Saft einer halben Limette und etwas Chilipulver. Auch sehr fein….
    Viel Erfolg wünsche ich Dir und hoffe, dass wir uns bald sehen und vielleicht auch gemeinsam kochen. Kann mir bestimmt noch sehr viel von Dir abgucken…Küsschen

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      Li 10. März 2016 (9:55)

      Çok merci liebe Selen! Und die Soße von Takahama San werde ich nächstes mal ausprobieren.
      Würde mich total freuen, wenn wir uns mal treffen und den tollen persischen Reis mit der Kartoffelkruste den du immer gemacht hast mal zusammen für den Blog kochen. Von dem träume ich heute noch. Öptüm!